Sonntag, 25. April 2010

Edeka

Ihr Brustkorb hebt sich, bläht sich energisch, während sie den Ärmel zur Seite streicht, auf die Uhr schaut, begreift, es ist noch so viel Zeit vor ihr, bis die Regale voll sind, sie müden Fußes den Edeka verlassen darf, um auf der Couch zum zweiten Mal Gekochtes zu essen. Entnervt, enttäuscht und resigniert fällt die Brust in ihren Körper, knallt der Arm auf ihre Hüfte. Sie schaut sich um, keiner hat’s gesehen, ihr Unmut bleibt Geheimnis und wie zum Trotz greift sie wieder in die Kiste, packt nun doppelt schnell den Kaffee ins Regal. Vielleicht lässt sich Zeit mit Hetze überlisten, denkt sie und hofft auf den rechtzeitigen Feierabend. Die Lieblingsserie muss heute sein, wehe der Chef will nach Ladenschluss noch in sie rein. Dieser schmierige Halunke soll die Finger in seine Kasse einklemmen und lieber mit der neuen Käsethekenfrau pennen. Ach, Zeit könnte man auch überlisten, indem man Geschichten zwischen den Kisten spinnt, denkt sie und träumt sich in Trance.

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