Mittwoch, 3. März 2010

Sterbeblüte

Manchem Menschen, der unserem Herzen einst unablösbar schien
Hand in Hand im Gedanken und Gefühl stetig mit uns ging
wie unsere zweite schönste Haut demselben Einfluss ausgesetzt
mit dem uns gemeinsamen offenen Geist und wildem Aug’ benetzt

so haben wir uns getroffen – einst vor langer Zeit
so wurden wir an uns besoffen – einst vor langer Zeit
die Möglichkeit der Dürre, des Überdrusses, des Verblühens
stand außerhalb des denkbar Möglichen

Die mich speisende Oase in deinen Augen, heut’ ein müdes trocknes Tal
Worte sind nun nicht mehr Verbund, sondern zeigen Grenzen – ermüdende Qual
Wir hatten eine gemeinsame Zeit der Blüte, die uns verband
Doch die Wege, die wir bemühten, führten nicht zurück ins alte Land

Nun bist du der Herbst und ich der Frühling,
wirst du wieder blühen, werde ich sterben,
weil mein Blühen wieder sprießt, siehst du bald den Tod,
Doch, du wiegst dich noch in der Blüte,
denkst – da spricht er Trauriges, der Verblühte.

Es trennen uns nun zwei Jahreszeiten
Unauflösbar fern, was einst unablösbar nah
Je mehr wir begannen uns zu entgleiten
wurde mir das Sterben zum Leben und ich sah:
Das Gemeinsame ist nur eine Frage von Lebenszeiten


(18.05.2009)

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